Spain Dezember 2020/ Dezember 2021 – plus update Januar 2022
Unter dem unsinnigen Slogan «Follow the Science» haben wir jetzt Technokraten vergöttert – eine Rechnung, die wir teuer bezahlen.
Prof. Ingrid Mühlhauser – KVH Journal – Oktober 2021
„Die Anliegen der Evidenzbasierten Medizin bleiben in der medialen Berichterstattung weitgehend unberücksichtigt. Das Konzept des NDR-Podcast zur Coronapandemie ermöglicht akademisch gebildeten Zuhörerinnen und Zuhörern einen Einblick in die Welt der Virologie. Wenn es jedoch um Fragen von Wirksamkeit, Nutzen und Schaden (präventiver) medizinischer Maßnahmen geht, dann widerspricht die Befragung eines einzelnen Virologen zu einer Vielzahl von Themen aus den unterschiedlichsten Disziplinen grundlegend den Ansprüchen an eine evidenzbasierte Wissenschaftskommunikation.“
Der Mensch ist keine Petrischale – und die Welt kein Hochsicherheitslabor!
Ein funktionierendes Immunsystem hat bei einigen Virologen einen Namen: «Die antigenetische Ursünde», das tönt bizarr, aber es ist so. Schliesslich kommt diese Information aus dem Mund des Wissenschaftlers, der im deutschsprachigen Raum den Ton massgeblich angibt. Das «Prinzip der ‘original antigenic sin’. Es ist diese eine Information, die mir viel zu denken gibt, die uns allen zu denken geben sollte. Ich weiss, die ganze Sache ist noch einiges komplexer. Aber als medizinische Laie darf ich, muss ich mit meinem Vokabular und mit dem, was ich wie verstanden habe, operieren. Darum weiter im Kontext!

«Ich glaube, der wichtigste blinde Fleck ist diese Frage nach einer Hintergrundimmunität», so beantwortet der deutsche Virologe Professor Christian Drosten von der Berliner Charité am 19. Mai 2020 im Corona-Podcast des Senders NDR die Frage nach möglichen «Blinden Flecken». Allein dieser Frage wurde von den tonangebenden Virologen nie wirklich nachgegangen. Im Gegenteil: Nach wie vor gilt das Narrativ, dass alleine die Impfung einen sicheren Schutz bietet. Alles andere wird als eine gefährliche «Durchseuchung der Bevölkerung» gebrandmarkt.
Bei der Schweinegrippe gab es diesen blinden Fleck. Es ist bekannt und es ist Christian Drosten bekannt. Und es gibt Studien, die eine Hintergrundimmunität auch gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 belegen, aber immer noch kaum Öffentlichkeit bekommen, obwohl es Daten dazu gibt.
Christian Drosten ist sicher ein guter Virologe. Beurteilen kann ich das als Laie nicht wirklich, aber ich gehe mal davon aus. Aber er ist Virologe, nur Virologe. Der Mensch aber ist keine Petrischale und die Welt kein Hochsicherheitslabor. Es braucht hier mehr, als die Expertise eines Virologen, viel mehr, könnte man meinen. Nichtsdestotrotz ist es dieser eine Virologe, der eine solche Wirkmächtigkeit erlangt hat, eine schier gottgleiche.
Würde Christian Drosten zudem nur über sein Fachgebiet sprechen, über Viren und ihr Verhalten, ihre Herkunft und ihre Verbreitung und ähnlichem, dann wäre es einigermassen in Ordnung. Nur schwadroniert er – es tut mir leid, das kann man meines Erachtens nicht anders nennen – seit 2 Jahren praktisch Woche für Woche und praktisch unhinterfragt im Coronavirus-Update vom deutschen Sender NDR über Corona und über alles andere, was gerade als Frage aus einer verängstigten Bevölkerung kommt. Korrekt wäre, die wirklich zuständige Expertin zum Thema ausfindig zu machen und mit diesen Fragen zu konfrontieren. Aber Prof. Drosten äussert sich zu allem und jedem. Ja, er relativiert dann gern das Gesagte, nur ist das dann schon gesagt und publiziert – und bekommt Bedeutung für seine Anhängerschaft.
„Wir müssen sicherstellen, dass Informationen, die noch nicht gar sind, keine massenhafte Verbreitung finden», forderte die deutsche Virologin Prof. Melanie Brinkmann als Mitunterzeichnerin eines offenen Briefes, der bereits Anfang Mai 2020 weltweit verbreitet wurde, von Christian Drosten, 100 Gesundheitsexperten, Ärzten und Pflegekräften unterschrieben, um besser gegen Falschinformationen zur Corona Pandemie gewappnet zu sein, vor allem auch an die Adresse von Facebook, YouTube, Twitter und Co. Nun gut, allerdings betreiben die wirklichen Verschwörungs-Bekloppten und Fanatiker ihr Unwesen weiterhin im Internet. Mit wenigen Klicks auf Youtube landet man nach wie vor bei grausligen Weltuntergangs-Trollen. Aber lächerlich gemacht und verhöhnt, gesperrt und zensuriert wurden und werden renommierte Wissenschaftlerinnen, Virologinnen, Gesundheitsexpertinnen, Ärztinnen, Fachkräfte, Journalistinnen – und wir Normalsterblichen sowieso. Lächerlich gemacht und verhöhnt wurden unter anderem die Thesen der Professorin Dr. Sunetra Gupta, Epidemiologin der Oxford Universität, des Biostatistikers und Epidemiologen Professor Martin Kulldorff von der Harvard Universität und des Epidemiologen Professor Jay Bhattacharya von der Stanford Universität, drei Grössen genau der Fächer, die heute von Belang sind. Ihre Great Barrington Declaration wurde von Beginn weg nicht ernst genommen, wird lächerlich gemacht, um nicht zu sagen: verteufelt.
Zuerst getragen von über 400 weiteren ExpertInnen dann signiert von über 3000 und heute von annähernd einer Million Expertinnen, Gesundheitsfachleuten und ZivilistInnen. In der breiteren Öffentlichkeit war und ist kaum von ihnen zu hören und von ihrer Stossrichtung: «Focused Protection», schützt die Verletzlichen, die alten Menschen und vulnerablen, aber verhängt keine Lockdowns. Denn die Beibehaltung dieser harten Mssnahmen, bis ein Impfstoff verfügbar sei, würde irreparable Schäden verursachen, wobei gerade die Unterprivilegierten unverhältnismässig geschädigt würden. Aber die Great Barrington Declaration wurde und wird unter dem Deckel gehalten, obwohl immer klarer wird, dass diese drei EpertInnen von Beginn weg auf dem wahrscheinlich richtigen Weg waren. – Christian Drosten redet derweil gares und ungares, korrigiert sich, relativiert sich, Woche für Woche und wird dafür mit Preisen überhäuft, von Satirikern besungen, von Schriftstellerinnen und JournalistInnen schier angebetet.
Wissenschaftsjournalismus?
Was ist das? Was geschieht hier eigentlich? Wissenschaft ist das nicht und Wissenschaftsjournalismus noch weniger. Keine Ahnung, was das ist. Irgendwie Götteranbetung. Oder schlichter auch einfach nur Propaganda für einen Wissenschafter, für seinen Arbeitgeber, für ein einziges Narrativ und Garantie für Millardengewinne? Ja, Wissenschaft irrt sich immer wieder, das wurde und wird uns allen immer wieder vorgebetet, wenn sich Prof. Drosten und Co. doch immer wieder geirrt haben. Das sei nun mal Teil der Forschung. Richtig, da bin ich voll einverstanden. Aber warum dürfen sich nur die einen ständig irren, warum dürfen sie annehmen, rätseln und mutmassen und die anderen werden totgeschwiegen? Warum?
Es geht mir nicht darum, einen Professor Drosten zu demontieren oder lächerlich zu machen, aber da er derart gehypt, geradezu geliebt und angebetet wird, da er derart im Mittelpunkt steht und allem voran im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus eine unglaubliche Deutungshoheit hat, muss hier genauer hingeschaut werden. Denn mit einem rationalen Zugang zu Wissenschaft hat das nichts mehr zu tun. – Es ist zu hoffen, dass diese Podcasts mit Prof. Drosten einmal wirklich wissenschaftlich untersucht, seziert und analysiert werden.
Es genügt mir für den Moment, eine einzige Folge etwas genauer unter die Lupe zu nehmen um festzustellen: Das ist kein Wissenschaftsjournalismus. Denn nachgefragt, nachgehakt, oder recherchiert wird hier nichts. Zum Beispiel die Folge 42 unter dem Titel «Bei der Schweinegrippe kam alles anders» vom 19. Mai 2020. (*1)
Ich lasse den Anfang der Sendung aussen vor, obwohl ich als Hörerin auch hier mit mehr Fragen als Antworten zurückgelassen werde, und ich springe direkt zum Schluss, wo es ums Eingemachte geht: «Bei der Schweinegrippe kam alles anders».
Prof. Drosten dröselt die Verwandtschaften zwischen den verschiedenen Coronaviren auf. Ja, es ist kompliziert. Vielleicht hätte er es sich und uns einfacher machen können und schlicht sagen können: «Unser blinder Fleck war damals das Immunsystem des Menschen.» Aber nein, er spricht von der Russischen Grippe von 1977 als «einer kleinen neuen Pandemie» (was ist eine «kleine Pandemie? Entweder haben wir eine Pandemie oder wir haben keine Pandemie?) und dass dessen Virus identisch gewesen sei mit dem Virus der Spanischen Grippe: «Das Virus wurde also 1977, nachdem es 20 Jahre komplett verschwunden war, wieder eingeführt, kam zurück als kleine Pandemie und ist bis zum Jahr 2009 geblieben.»
Die Redaktorin fragt erstaunt, wie das denn möglich sei und Christian Drosten erklärt: «Wir wissen das nicht ganz genau. Es kann sein, das ist bis heute nicht aufgelöst, dass vielleicht in einem abgelegenen Teil der Welt, zum Beispiel in Eingeborenen-Populationen, die von dem Rest der Menschheit abgeschlossen sind, sich irgendwo so ein Virus versteckt und gehalten hat und wieder zurückgekommen ist. Man weiß es einfach nicht. Jedenfalls ist dieses Virus bis 2009 geblieben.»
Das Virus hat sich also vielleicht irgendwo in so einer «Eingeborenen-Population» versteckt und ist irgendwann wieder zurückgekommen. Niemand hat eine Ahnung, man weiss nichts, aber hat dann doch so eine praktische Erklärung zur Hand. Irgendwo bei den Wilden, den Eingeborenen hat sich das Virus «versteckt». Versteckt!
Dann aber wird es wirklich spannend, weil jetzt plaudert Professor Drosten aus dem Nähkästchen. Denn die so genannte Schweinegrippe Pandemie, bei der 2009 Millionen von Toten prognostiziert worden waren, endete bekanntlich mit einem stillen «Plop». Sie verschwand eines Tages aus den Schlagzeilen. Nach monatelanger Panikmache und Millionen von verschwendeten Impfdosen in vielen Ländern für Millionen von Euros. Plop! An die 17’000 Menschen starben. Nicht Millionen, wie vorhergesagt. Und – um das einigermassen einordnen zu können: Nach wie vor sterben täglich über 4’000 Menschen an Tuberkulose. – Aber zurück zum «Star-Virologen», wie ihn die Medien gerne nennen.
Das Immungedächtnis der meisten Menschen hatte das Schweinegrippe Virus «wider Erwarten» erkannt und eliminiert. Hören wir Professor Drosten genau zu:
«Und die haben bis zum Ende ihres Lebens eine Überbetonung ihres Immungedächtnisses gegen Influenza, gegen dieses H1N1-Virus. Wir sprechen hier von dem Prinzip der ‘original antigenic sin’, also die antigenetische Ursünde, das sind immunologische und epidemiologische Beobachtungen, wenn man die grob zusammenfassen will, die sagen, die Influenza, die man als Erstes im Leben sieht, gegen die hat man für den Rest des Lebens das beste Immungedächtnis.»
Bitte, lesen Sie diese Antwort noch einmal und genau. Virologen sprechen hier vom «Prinzip der ‘original antigenic sin’. Die Influenza, die man als erste im Leben gut überstanden hat, für die entwickelt der Mensch das beste Immungedächtnis. Und dies ist die «Ursünde» in den Augen einzelner Virologen. – Ich weiss, das Ganze ist noch etwas komplexer. Aber als Laie stütze ich mich so gut es geht, auf das was eine Expertin, ein Experte sagt. Und Professor Drosten sagt, dass man sich damals bei der Schweinegrippe geirrt hatte und dass die meisten Menschen sehr wohl durch ihre Immunsysteme geschützt waren.
Wer das gut funktionierende Immungedächtnis von Menschen als «Ursünde» bezeichnet, offenbart eine schon sehr spezielle Haltung. Man muss keine an Engel glaubende Esoterikerin sein, um ohne Umschweife sagen zu können: Der Mensch hat unglaublich geniale Instrumente! Das funktionierendes Immunsystem eines Menschen jedenfalls müsste man eher mit «Urkraft» assoziieren als mit «Ursünde»? Hier zeigt sich der Virologe als reiner Technokrat, oder er zeigt seine Betriebsblindheit.
Die NDR Redaktorin scheint aber auch dies nicht zu stören. Sie fragt nur nach, ob es bei Corona allenfalls auch eine solche «überraschende Kreuzimmunität» geben könnte. Drostens Antwort: «Ich glaube, der wichtigste blinde Fleck ist diese Frage nach einer Hintergrundimmunität. Es ist so, dass bestimmte Studien an der zellulären Immunität suggerieren, dass Personen, die nie Kontakt mit dem SARS-2-Virus hatten, dennoch im Laborversuch zumindest mal eine Reaktivität ihrer T-Gedächtniszellen zeigen. Also man sieht, die haben, wenn auch schwach ausgeprägt, aber doch nachweisbar ein Immungedächtnis gegen ein Virus, das sie nie kennengelernt haben.»
Noch einmal: diese Antwort kommt von Professor Drosten höchstpersönlich, auch wenn er von «schwach» spricht, gesteht er genau diese Fähigkeit des Menschen gegenüber dem Coronavirus ein, die er bei Interviews bis heute in Abrede stellt. Und er äussert sich jeweils auf eine Weise, die beim besten Willen nicht nachvollziehbar ist.
Daraufhin kommt die Redaktorin Korinna Henning auf die Kritik vieler Menschen zu sprechen, die davon ausgehen, dass man sich beim Schweinegrippe Virus 2009 ja derart vertan hatte, um es mal freundlich auszudrücken, und drum glauben, dass es sich heute mit dem Coronavirus genauso verhalten könnte und Henning spricht den Arte Beitrag von 2012 an, welcher die Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Schweinegrippe aufgearbeitet hatte. Und hier wird Professor Drosten unfair: «Es gibt diesen Arte-Beitrag, fast eine Stunde lang. Ich weiß gar nicht mehr, wie hiess der noch mal?»
Hennig: «Profiteure der Angst». (*2)
Drosten: «Ja, genau. Profiteure der Angst, wo viele diese Dinge zusammengefasst werden, auch in einem ganz unguten Stil, wo sehr einseitig Leute gehört werden, die sich dazu äußern, die von der Materie keine Ahnung haben und wo schwere Vorwürfe erhoben und unkorrigiert stehen gelassen werden. Die Gegenseite wird eigentlich gar nicht gehört. Bis heute kursiert dieses Video wieder in Verschwörungstheoriekreisen oder in Impfgegnerkreisen – jetzt im Zusammenhang mit dieser Idee, dass es eine Zwangsimpfung geben könnte gegen das SARS-2-Virus, was auch überhaupt nicht zur Debatte steht.»
Nun, der Film von Arte ist ein gut recherchierter Dokumentarfilm. Es kommen Kritikerinnen und Gegner sehr wohl und ausgewogen zu Wort, er ist mitnichten einseitig. Zudem ist es nicht die einzige kritische Auseinandersetzung mit diesem Panik-Schweinegrippe Jahr, aber wahrscheinlich die ausführlichste. –
Es entstand nicht eine fehlgeleitete Diskussion, wie Drosten suggeriert, sondern diese Diskussion wurde und wird in den Medien unverständlicherweise nicht zugelassen. Das ist keine Verschwörungstheorie, es ist ein Fakt, aber genau diese Unterdrückung dieser Diskussion führt zwangsläufig zu Verschwörungsphantasien. – Wer sich 2009 näher mit der Schweinegrippe auseinandergesetzt hatte, der kann sich heute nur wundern, wie unprofessionell die Kommunikation läuft, von wissenschaftlicher, von politischer und allem voran von der medialen Seite.
Die ganze Situation mit der Schweinegrippe 2009 hat so viele Parallelen zur heutigen. Die Warnungen, die Ängste, «Verschwörungstheorien» und Impfgegnerinnen. Es ist zum Teil selbst das gleiche «Personal» von damals. Die Wissenschaftler, die Kritiker, die Rolle der WHO, der «Warner» Prof. Drosten und der Kritiker Dr. Wolfgang Wodarg, der mit seinen Fragen damals am Schluss allerdings Recht behielt. Die Pandemie wurde «abgebrochen» und der Europarat beauftragte 2010 den englischen Abgeordneten Paul Flynn, einen Bericht zu erstellen, vor allem zur Frage nach dem Einfluss der Pharmaindustrie auf die WHO.
Unter dem Nenner und sehr kurz zusammengefasst kam damals nur heraus, dass man der WHO nicht wirklich etwas vorwerfen könne, dass sie sich aber zu mehr Transparenz verpflichten müsste und allem voran «Verquickungen zur Pharmaindustrie» besser auszuweisen hat».
Was frappierend ist, sind die Parallelen vom Schweinegrippe-Jahr und Corona. Einen grossen Unterschied zu damals allerdings gibt es: Prof. Drosten ist heute der grosse Wortführer in Sachen Corona und Dr. Wolfgang Wodarg ist stillgelegt, genau ihm, der 2010, zusammen mit anderen Kritikerinnen die WHO vor einen Untersuchungsausschuss brachte, genau ihm wird das Wort verboten. Ihm und vielen anderen Wissenschaftlerinnen und Expertinnen, die andere Thesen vertreten, die andere Massnahmen vorschlagen.
«Erinnern sie sich noch an die Schweinegrippe? – Steckt die WHO mit der Pharmaindustrie unter einer Decke?», fragte auch Urs Leuthard vom Schweizer Fernsehen SRF am 7. April 2010 sein Publikum: «Das wollte heute der Europarat wissen, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit.»
Der Bericht der Rundschau von der Journalistin Serena Tinari zeigte die gleichen Ungereimtheiten auf, wie der lange Arte Film von Jutta Pinzler. Serena Tinari ist übrigens die einzige Schweizer Journalistin, die mir bekannt ist, die nach wie vor eine kritische Haltung an den Tag legt.
Bei der Vogelgrippe Pandemie wurde vor Millionen von Toten gewarnt. Der Virologe Klaus Stöhr, damals bei der WHO warnte, «dass bis zu 17 Millionen Menschen sterben könnten». Es waren 286 Menschen. (Wen wundert es, das Stöhr heute sehr viel zurückhaltender ist?).
Bei der Schweinegrippe das gleiche Szenario, obwohl sehr früh absehbar war, dass diese Grippe sichtlich milde verlief: «Aber die Experten der WHO warnen sogar, es könnte wie bei der Spanischen Grippe 1918 enden, mit Millionen von Toten.» Nach einem Jahr Pandemie wurden fast 18’000 Tote durch das Schweinegrippe Virus gezählt. Noch einmal zum Vergleich: jährlich sterben nach wie vor über eine Million Menschen allein an der Tuberkulose.
Die damalige Leiterin des Gesundheitsausschusses im Europarat, die damalige Schweizer Ständerätin Liliane Maury Pasquier, sagt zum Schluss dieses Rundschauberichts: «Es ist Zeit daraus zu lernen, um es besser zu machen. Wenn nicht, diskreditiert sich die WHO selber und beim nächsten wirklich gefährlichen Virus wird sie niemand mehr ernst nehmen.» Ja, „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“, das ist nicht nur ein Kalenderspruch. Wer gelogen oder sich vertan hat, dem glaubt man nicht mehr ohne Weiteres, da braucht es schon mehr, um Vertrauen wieder aufzubauen. Sehr viel mehr.
Wir alle wären auf wirklich unabhängige Forschung und Forscherinnen angewiesen. Auf einen Journalismus, der nicht leichtfertig Fragen unter den Tisch wischt, sondern sie stellt. Und diese Fragen verschiedenen Akteurinnen stellt. Dieser Diskurs hat nicht stattgefunden und findet nicht statt.
Wenn sich irgendwer also wundert über das Chaos, das wir heute haben, oder irgendwer meint, allein die Skeptikerinnen oder «Impfverweigerer» hätten daran schuld, der soll bitte noch einmal kritisch über die Bücher. Die Sache ist verdammt viel komplexer und braucht unseren Verstand, nicht unsere Angst, nicht unsere Panik, nicht unsere verzweifelte Suche nach vermeintlich schnellen Lösungen.
Würde hier professionell und wirklich wissenschaftlich kommuniziert, wäre ein wirklicher und wahrhaftiger wissenschaftlicher Diskurs im Gang, stünden wir heute nicht in diesem Chaos. Hunderttausende von Menschen haben wegen der Massnahmen gegen die Vogel- oder Schweinegrippe ihre Lebensgrundlagen verloren. Millionen von Menschen hatten Angst und Panik. Himmel, wie kommt man darauf, dass man die berechtigten Zweifel mit einem vermeintlich sexy Slogan «Follow the Science» vom Tisch wischen kann? Und mit Schönreden? Darum zurück zu Christian Drosten.
«Keiner der Impfstoffe, die damals verwendet wurden, oder auch Impfstoffe, die heute verwendet werden für eine andere Erkrankung, hat solche Nebenwirkungsraten. So ein Impfstoff würde niemals zugelassen werden.», sagt Prof. Drosten zum Schluss dieser Folge 42 des NDR – und wird auch hier nicht korrigiert. Der NDR-Redaktorin ist schätzungsweise bekannt, dass das so nicht stimmt und Professor Drosten sowieso. Und mit Verlaub: Ein Wissenschaftler, der sagt, diese Impfungen seien sicher und es werde keine nennenswerten Nebenfolgen haben, ist in meinen Augen unwissenschaftlich. Weil wir es noch nicht wissen. Weil es einige Indizien dafür gibt, dass es sehr wohl zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommt. Wer das einfach unter den Tisch wischt, handelt grobfahrlässig. Es ist verdammt noch mal nicht ein Piks! Es wird mit einer Spritze ein Stoff in den menschlichen Organismus gespritzt. Die meisten Menschen vertragen es offensichtlich gut. Viele aber haben schwere gesundheitliche Probleme, dem aber wird kaum oder nur zögerlich Raum gegeben. Gleichzeitig wissen wir auch nicht, ob dieser Eingriff nicht eine Kettenreaktion auslösen kann, die noch unbekannt ist. Wir wissen es noch nicht und darum müssen diese Impfungen bis auf Weiteres freiwillig bleiben.
In Schweden erkrankten nach den Massenimpfungen mit Pandemrix bei der Schweinegrippe damals Hunderte von Menschen, vor allem Kinder, an der unheilbaren Krankheit Narkolepsie. Fürs Leben gezeichnet. Nicht nur in Schweden, auch in Finnland, Norwegen oder Irland, wo es hohe Impfquoten gab, erhoben Betroffene Klage. Meines Wissens ist aber Schweden bisher das einzige Land, das die Narkolepsie-Erkrankten entschädigt. Schweden zahlt Millionenbeträge. Dies dürfte auch mit ein Grund dafür sein, dass die schwedische Regierung um einiges zurückhaltender gefahren ist, als andere Länder.
UND!: Diese Entschädigungen kamen nicht von alleine. Die Betroffenen hatten einen mühsamen Kampf darum auszufechten. Und wer jemals dafür gekämpft hat, für seine Anliegen Gehör zu bekommen, weiss, wovon ich rede. Seien es Schleudertraumen, Depressionen, ME/CFS Betroffene, falsche Medikationen, «ärztliche Kunstfehler», fehlerhafte Hüftimplantate, oder fehlerhafte Brustimplantate. Contergan! In Spanien kämpft der Verband Avite noch heute, 70 Jahre nach dem Contergan-Skandal für eine Entschädigung der Opfer. Bisher erfolglos. Was das mit einer Corona-Impfung zu tun habe, fragen Sie? Es geht um erschüttertes Vertrauen in die Medizin, die Wissenschaft, die Pharmaindustrie, den Rechtsstaat. Wenn Vertrauen einmal erschüttert ist, ist es mit Schönreden nicht wettgemacht.
Die Impfungen seien sicher und das einzige Mittel, die Pandemie aufzuhalten. Zurzeit wird sogar in verschiedenen Ländern eine Impfpflicht diskutiert. Die offensichtlich existierende und mögliche Immunisierung auf natürlichem Weg wird weiterherum abgestritten, nicht ernstgenommen, sogar verteufelt. In den Schlagzeilen wird sie nicht «natürliche Immunisierung» genannt, sondern «Durchseuchung». Dieses Narrativ wird unhinterfragt von Journalistinnen übernommen und ungefiltert weiterverbreitet, obwohl auch ihr Hohepriester Drosten ein bisschen eingestanden hatte: «Also man sieht, die haben, wenn auch schwach ausgeprägt, aber doch nachweisbar ein Immungedächtnis gegen ein Virus, das sie nie kennengelernt haben.»
Ja, die «Ursünde» des Menschen, dieser «original antigenic sin»! Ein gut funktionierendes Immunsystem, das nicht gegen alles und jedes schützt, aber gegen Vieles. Der Mensch ist keine Petrischale. Er hat ein Immunsystem, dessen Fähigkeiten noch lange nicht zu Ende erforscht sind. Und die Welt ist kein Hochsicherheitslabor. Man kann Lockdown an Lockdown hängen, man kann wichtige Gegenstimmen lächerlich machen, verteufeln und zum Schweigen bringen, man kann viele Menschen schier an alles gewöhnen, wie Figura zeigt, aber man wird das Virus so nicht aus der Welt schaffen.
Darum nein, das ist keine Wissenschaft und das ist kein Journalismus. Die Lockdowners und Maskers und Impfers, sie kommen mir vor wie Kinder, mit ihrem unerschütterlichen Glauben an den Osterhasen, an den Sankt Niklaus und das Christkind. Und wenn jemand kommt und ihnen sagt, dass diese Figuren in Wirklichkeit nicht existieren, heulend zu den Eltern rennen, die ihnen beruhigend über das Köpfchen streicheln und sagen: «Lass diese Ungläubigen nur reden. Der Osterhase und der Sankt Niklaus und auch das Christkind sind real». Es ist tragisch genug, wenn einem das in der Kindheit widerfährt. Noch schlimmer aber ist es, wenn sich JournalistInnen und so genannte Fakt-Checkers so verhalten: Eine Wissenschaftlerin äussert eine These, die dem gängigen Glauben widerspricht und die Journalisten rennen zum Hohenprister wissenschaftlicher Wahrheit und verkünden beruhigt: Das Virus ist gefährlich und tödlich und Impfen, Masken, Abschottung sind die einzige Lösung.
Nein, ich verharmlose dieses Virus nicht. Ich kann nur noch einmal wiederholen: Wichtige Parameter wurden und werden nicht berücksichtigt. Umweltgifte, Antibiotika-Overkill, Armut, Fehlernährung, Stress. ANGST! Das Virus trifft auf Menschen, die so ausgelaugt sind, wie die Böden, auf denen sie leben. Und das Virus kommt willkommen für Regierungen, die jetzt über Jahre genau diese Themen nicht angepackt haben. Herhalten aber müssen die willkommenen Schuldigen: Das Virus und die Covidioten.
So geht das nicht. Wir brauchen Wissenschaft, viel mehr Wissenschaft, wahrhaftige, unabhängige, evidenzbasierte Wissenschaft. Und darum hier noch ein Lesebefehl: Die Sicht aus der Evidenzbasierten Medizin von Prof. Ingrid Mühlhauser zu Wissenschaftsleugnung:
„Die Anliegen der Evidenzbasierten Medizin bleiben in der medialen Berichterstattung weitgehend unberücksichtigt. Das Konzept des NDR-Podcast zur Coronapandemie ermöglicht akademisch gebildeten Zuhörerinnen und Zuhörern einen Einblick in die Welt der Virologie. Wenn es jedoch um Fragen von Wirksamkeit, Nutzen und Schaden (präventiver) medizinischer Maßnahmen geht, dann widerspricht die Befragung eines einzelnen Virologen zu einer Vielzahl von Themen aus den unterschiedlichsten Disziplinen grundlegend den Ansprüchen an eine evidenzbasierte Wissenschaftskommunikation.“
Das ist nur ein Ausschnitt. Ich bitte darum, den ganzen Artikel von Prof. Mühlhauser zu lesen.
Wir brauchen mehr Wissenschaftlerinnen, wie Ingrid Mühlhauser, die ihre Kritik offen anbringen. Wir müssen den Wissenschaftlerinnen, die zensuriert werden, auch den Gesundheitsexpertinnen, Ärztinnen und auch dem Pflegepersonal das Wort zurückgeben. Das ist wohl der grösste Skandal dieser Pandemie. Und wir brauchen wieder einen Journalismus, der nicht ängstlich und im voreilenden Gehorsam runterbetet, was ihm diktiert wird und ehrerbietig hochschaut, wenn ein Professor vor ihm steht.
Wissenschaftlerinnen sind keine Götter, sie sind Menschen wie du und ich. Wahrhaftig, oder verlogen. Integer oder korrumpierbar, oder korrupt. Sie sind neugierig, ehrgeizig, oder geltungssüchtig. Auch ein akademisches Studium macht aus einem Mistkerl keinen Engel.
Und der Mensch ist keine Petrischale – und die Welt kein Hochsicherheitslabor. Es ist alles etwas komplexer und komplizierter, ob uns das passt, oder nicht. Und dieser Komplexität wird nicht Rechnung getragen. Nach wie vor nicht. Das ist der eigentliche Skandal.
*1 Coronavirus-Update Folge 42 – «Bei der Schweinegrippe kam alles anders» /19. Mai 2020.
https://www.ndr.de/nachrichten/info/42-Coronavirus-Update-Bei-der-Schweinegrippe-kam-alles-anders,podcastcoronavirus212.html#H1N1
*2 Profiteure der Angst
«Lüge und Wahrheit lassen sich bei dieser Pandemie nur schwer auseinanderhalten». – Die Doku «Profiteure der Angst» von Arte von 2009 ist eine Auseinandersetzung mit den Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Schweinegrippe von Jutta Pinzler. Es ist eine gute journalistische Aufarbeitung und mitnichten Verschwörungstheorie. – Dass die Journalistin ihren eigenen Film im Bezug auf Corona relativiert, ist tragisch. – Sehenswert.
*3 Schweden entschädigt Narkolepsie-Patienten
Nach der Schweinegrippe-Impfung erkrankten in Europa auffällig viele Menschen an Narkolepsie. Schweden zahlt den Betroffenen jetzt bis zu eine Million Euro. Vielen genügt das nicht.
13.05.2016
https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/schweinegrippe-impfung-schweden-entschaedigt-narkolepsie-patienten-a-1092175.html
Wie Pandemrix eine Narkolepsie auslöst – Ärzteblatt DE / 2. Juli 2015
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63356/Grippeimpfung-Wie-Pandemrix-eine-Narkolepsie-ausloest
Rundschau Schweizer Fernsehen am 7. April 2010:
«Das Geschäft mit der Schweinegrippe». https://www.youtube.com/watch?v=KHMZaxT7xjo
Prof. Ingrid Mühlhauser zu Wissenschaftsleugnung im KVH Journal
KVH Journal 10/2021 – EbM-Netzwerk
Natürliche Immunität 21. Mai 2021 Nature
https://www.nature.com/articles/d41586-021-01442-9